ARS ANTIQUA AUSTRIA

MUSICA AUSTRIACA - 3 Musketiere aus Österreich
in der Hl. Geist Kirche Passau, Hl.-Geistgasse 8, 94032 Passau


G. Muffat - B.A. Aufschnaiter - R.I. Mayr
Drei Komponisten, aus unterschiedlichsten Gegenden des Habsburgerreiches stammend, präsentierten beinahe gleichzeitig Werke im französischen Stil. Sie hinterließen damit deutliche Spuren im "Kulturland ob der Enns" und im gesamten Kaiserreich. Der Passauer Hof des mächtigen Erzbischofs war der ideale Ort für Experimente mit Musik, die aus politischen Gründen am Kaiserhof verpönt war.Elegant, tänzerisch und äußerst perfekt dargebracht muss diese Musik sein, dann begeistern diese Melodien noch heute!


Programm:

B.A. Aufschnaiter (1665-1742) aus: Concors discordia (1695)
Serenade C Dur
Ciaccona, Ballo, Menuet, Boureè, Guigue

R.I. Mayr (1646-1712) aus: Pythagorisches Schmids-Füncklein (1692)
Suite D Dur
Aria; Allemande, Courante, Aria, Sarabande, Fuga

G. Muffat (1645-1704)                               
Sonata in D-Dur für Violine und B.c.
Adagio, Allegro, Adagio, Allegro, Adagio
Pause
R.I. Mayr (1646-1712) aus: Pythagorisches Schmids-Füncklein (1692)
Suite d Moll
Ouverture, Allemande, Courante, Gavotte, Sarabande, Gigue
G. Muffat (1645-1704) aus “Florilegium Primum“
Blanditiae
Ouverture, Sarabande, Bourèe, Chaconne, Gigue, Menuett, Echo

Georg Muffat,
Ein paneuropäischer Komponist mit politischem Weitblick
Georg Muffat wurde in Savoyen geboren, verbrachte seine Kindheit im Elsaß und tätigte seine Studien in Paris. Schließlich flieht er vor dem Französisch-Österreichischem Krieg nach Wien und Prag (Sonata auß. D, 1766). 1678 tritt er in die Dienste des Salzburger Erzbischofs Max Gandolf ein, der ihn zu Studien nach Italien schickt (Armonico Tributo, 1682). 1690 widmet er Kaiser Leopold I seinen “Apparatus“ anläßlich der Krönung von Erzherzog Joseph zum römischen König in Augsburg (Coronatio Augusta), im selben Jahr tritt er in die Dienste des Passauer Bischofs Johann Philipp von Lamberg ein (Florilegien 1695 und 1698, Instrumental-Music 1701).
In einem Vorwort legt er seine politischen Ansichten, seine Visionen vom Zusammenleben aller Völker in Eintracht dar:
“ Die Kriegerische Waffen und ihre Ursachen seyn ferne von mir; Die Noten, die Seiten, die liebliche Music-Thonen geben mir meine Verrichtungen, und da ich die Französische Art der Teutschen und Welschen einmenge, keinen Krieg anstiffte, sondern vielleicht deren Völker erwünschter Zusammenstimmung, dem lieben Frieden etwann vorspiele.“
Das war eine Vision, die sicherlich auch für die viersprachige (lateinisch, englisch, französisch und deutsch) Ausführung seiner letzten drei im Druck erschienenen Compendien verantwortlich zeichnet !
Wie vielen Propheten war es auch G. Muffat nicht vergönnt, die Früchte seiner politischen Visionen selbst zu erleben. Am 11. Jänner 1704 besetzten Truppen des Kurfürsten Max Emanuel von Bayern Passau, ein Geplänkel im Spanischen Erbfolgekrieg. 
1688 hatte Muffat anläßlich eines Todesfalles im Zuge der Eroberung Belgrads (ein Bruder seines Dienstherren Graf Maximilian von Scherffenberg wurde dabei getötet) ein Concerto mit dem Titel “Trauriger Sieg“ verfaßt. Jetzt hatte er keine Gelegenheit mehr, ein weiteres Werk etwa mit dem Titel “Fröhliche Niederlage“ anzufügen. -
Im Totenbuch der Stadt ist vermerkt: “ Am 23. Februar 1704, verschied der Edl Gestrenge und Kunstreiche Herr Georg Muffat, Sr. Hochfürstlichen Eminenz zu Passau, etc. gewester Kapellmeister.“  Er wurde “bei den hohen Dombstift in dem Creizgang beigelegt.“
 
Rupert IgnazMayr
Rupert Ignaz Mayr wurde 1646 in Schärding geboren, er starb am  7. Februar 1712 in Freising. Mayr trat 1670 als Violinist am fürstbischöflichen Hof in Freising unter dem Kapellmeister Mazzuchini auf und war in Eichstätt, Regensburg und Passau tätig, bevor er 1683 nach München kam. Von Kurfürst Max Emanuel wurde er zur »Perfectionierung« nach Paris gesandt, wo er die Kunst Lullys kennen lernte. 1685 kehrte er als Hofmusiker nach München zurück. Hier betätigte er sich nicht nur als Primus Violinista Aulae et Camerae musicus, sondern auch als Komponist. Am 26. Juli 1706 wurde er zum fürstbischöflichen Hofkapellmeister  in Freising ernannt. Es oblag ihm die Kirchen- und Kammermusik, für die er zahlreiche eigene Werke schuf. Ebenso schrieb er eine Reihe von Schulspielen, von denen mehrere in Langs Theatrum gedruckt überliefert sind. Wie die Freisinger Musikinventare ausweisen, pflegte er vor allem die Werke des Münchener Kreises um J. Chr. Pez, J.K. Kerll, Bernabei, während der große Bestand älterer Kompositionen, die S. Karpf 1651 noch in seinem Inventar der Freisinger Hofkapelle aufführt, nicht mehr gebraucht wurden. Eine große Zahl eigener Werke, die meist verloren sind, zählte zum Repertoire der Freisinger Hofmusik. Nach seinem Tode führte sein Nachfolger J. Jakob Pez die von R.I. Mayr begonnene künstlerische Richtung am Freisinger Hof weiter.
Die künstlerische Entwicklung an dem von italienischendas von der Kantate Carissimis in ihrer Solo und Chor verbindenden Gestalt geformt ist.


Benedikt Anton Aufschnaiter
Benedikt Anton Aufschnaiter wurde am 21 Februarielt. Als seine Lehrer nennt er im Vorwort seines theoretischen Werkes Regulae Fundamentales Musurgiae Jacobus Carissimi, Orlando di Lasso, Kaspar Kerll und Adam Gumpelzhaimer. In einem Brief aus dem Jahre 1724 schreibt er «Ich hab in  wienn, allwo ich mich vill jahr befunten die meisten Musiquen auch nur mit 16 oder 18, aber sambentlich perfectis Musicis produziert» Dies läßt vermuten, daß Aufschnaiter in Diensten des Wiener Hofes gewesen sein dürfte. Ebenso nennt ihn der Chronist des Klosters Hradisko (Böhmen) 1701 «Musicus et Componista moderni temporis inter Viennenses non postremus». Im Jahre 1695 starb in Wien seine erste Frau Maria. Diese Ehe blieb kinderlos. Bald darauf heiratete er seine zweite Frau Barbara. Der einzige Sohn Joseph Antonius Franziskus verstarb 36jährig 1734 in Passau.
Am 16 Januar 1705 wurde Aufschnaiter durch Fürstbischof Johann Philipp Graf Lamberg als Nachfolger des verstorbenen Georg Muffat an den furstbischoflichen Hof nach Passau als Hof- und Domkapellmeister berufen. Im Gegensatz zu seinem Vorganger Georg Muffat komponierte Aufschnaiter sehr viel für die Figuralmusik im Dom. Daß er aber nicht nur Kirchenmusik schrieb, beweist eine Aufstellung seiner Kompositionen aus dem Jahre 1715, die 5 Sonaten sowie 17 Serenaden, Parthien und Konzerte vermerkt. Trotzdem wurde Aufschnaiter im Jahre 1728 von seinem Bischof  wegen seiner wenigen weltlichen Kompositionen getadelt. Aufschnaiter rechtfertigte sich mit der geringen Leistungsfähigkeit der Passauer Hofmusik. Benedikt Anton Aufschnaiter starb im Januar 1742 in Passau. Sein Grabstein ist nicht mehr vorhanden, dieser wurde beim Abbruch des gotischen Kreuzganges des Domes verkauft.
Werke
Bisher wurden von mir ca. 300 Kompositionen von Aufschnaiter entdeckt, die aber meiner Meinung nach nur einen Bruchteil seines Gesamtschaffens darstellen. Als Drucke von Instrumentalwerken sind seine 1695 m Nürnberg erschienenen 6 Orchestersuiten Concors Discordia, op. 2 sowie die 1703 in Augsburg veröffentlichten 8 Kirchensonaten Dulcis Fidium Harmoniae, op. 4 erhalten geblieben. Im Jahre 1709 erschienen die Vespern Memnon sacer ab Oriente, op. 5, 1711 seine fünf großen Messen Alaudae V, op. 6, 1719 die 12 Offertorien Aquila clangens, op. 7, und 1728 seine Vespern Cymbalum Davidis, op. 8.
Benedikt Anton Aufschnaiter nahm als Kirchenkomponist im großen Kreise seiner deutschen Zeitgenossen einen der oberen Plätze ein, er hielt mit der Entwicklung seiner Zeit Schritt und bildete sich im Sinne der jungen, aufstrebenden Kunst weiter. Daß ihm dies gelang, beweist die Tatsache, daß er trotz des erstaunlich schnellen Aufschwungs der Musik noch in den letzten Jahrzehnten des 18 Jahrhunderts abgeschrieben und aufgeführt wurde. Die meisten erhaltenen Werke sind reine Kirchenmusik. Neben den Werken "quotidiana" finden sich die oben erwähnten Drucke mit Messen, Qffertorien und Vespern. In letzter Zeit werden vermehrt Kompositionen von Benedikt Anton Aufschnaiter aufgeführt und eingespielt. Viele Werke liegen noch unveröffentlicht in Klosterarchiven und warten auf die Entdeckung für den kirchenmusikalischen Gebrauch.


Gunar Letzbor

Termine:

  • So, 04.07.21 20:00 Uhr

    Leider steht das Konzert nicht / nicht mehr zur Online-Reservierung zur Verfügung.
    Restkarten können telefonisch angefragt werden unter:
    +48 851 21 24 64 10

Eintritt:

Einzelkarte 29,- / Jugendkarte 9,-
 - Cafe Museum Passau

Line-Up:

Gunar Letzbor Violine
Nina Pohn Violine
Markus Miesenberger Viola
Peter Trefflinger Violoncello
Magdalena Hasibeder Orgel/Cembalo
Hubert Hoffmann Theorbe

Leitung Gunar Letzbor

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