LESUNG FRANZ SCHUH

Franz Schuh Lesung aus "Lachen und Sterben"
Lachen und Sterben, Zsolnay Verlag, 331 Seiten

im Rahmen des Projekts "Prototypen" - Text- und Ton-Labor Passau

Der österreichische Schriftsteller Franz Schuh verbrachte das vergangene Jahr überwiegend in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Dabei dachte er - wie schon oft - über den Tod nach und schrieb ein neues Buch: Lachen und Sterben. Darin bietet er dem Schicksal stilistisch die Stirn und rückt dem Tod brilliant auf den Leib, dem der 74-Jährige schon manches Mal nahe war. "Entgegen seiner Wichtigkeit hat man den Termin des Todes aber nicht im Kalender eingetragen", sagt Schuh. 
Über das Buch "Lachen und Sterben": Schwarzwaldklinik, SOKO Donau und Elias Canetti bestehen bei Franz Schuh problemlos nebeneinander. Weil er zu allem einen poetischen, philosophischen oder humoristischen Zugang legt. Einzelne Kapitel huldigen Harald Schmidt, Helmut Qualtinger, Lukas Resitarits, Karl Kraus, Georg Ringsgwandl und Charles Aznavour. Auch der Wiener Schmäh kommt nicht zu kurz. Wie der Sarg aus einem Fahrzeug der Wiener Bestattung polterte und der Tote "unversehrt" blieb. In Gedichtform erscheint nochmal eine unerfüllte Liebe: "hob auffegschaut auf dei Fensta und bei dir drin wor wer aundera." Auch erfährt man, was ihn seine Isolationserfahrung über die Einsamkeit gelehrt hat, warum der Mensch immer allem einen Sinn unterschieben will und wie die Religion dem Menschen verdeutlicht, ein Nichts zu sein und dabei hilft, nicht andauernd großartig sein zu müssen. Wie schon in früheren Werken gibt es Notizen aus Wernstein am Inn und Schärding, wo Franz Schuh regelmäßig kurt.

Franz Schuh, geboren 1947 in Wien, Schriftsteller und Essayist, lehrt an der Universität Wien für angewandte Kunst.

Auszug aus PNP Interview:
Sie schreiben in „Lachen und Sterben“, dass ein Sie untersuchender Arzt Ihnen die Diagnose gestellt hat, dass Ihr Tod wahrscheinlich wäre. Wie haben Sie reagiert?
Franz Schuh: Die besten Sarkasmen passieren ohne Absicht. Ja, der Arzt meinte wörtlich, Herr Schuh wird wahrscheinlich sterben und ergänzte: Der Tod hat ihn ja ohnehin immer interessiert. Ich habe später in Gedanken erwidert: Und der Tod hat sich immer für mich interessiert.
Fürchten Sie sich davor?
Franz Schuh: Es gilt, nach Karl Valentin: Ob du den Tod fürchtest oder nicht, sterben musst‘ sowieso. Der religiöse Mensch hat keine Todesfurcht, weil er den Tod als eine Verbesserung seines irdischen Zustands sieht, weil im Himmel die Geigen spielen. Das ist eine Möglichkeit. Ich kann von mir sagen, dass ich keine Todesfurcht habe, vielleicht habe ich sie mir abgewöhnt. Als ich mit Schlauch im Mund aus dem Koma aufwachte, dachte ich, jetzt wäre es wirklich eine Zeit zu sterben gewesen. Zum Arzt, der mir das Leben rettete, hab ich gesagt: Wenn du glaubst, dass ich dir jetzt dankbar bin, täuschst Du Dich. Da sagte er: Ich brauche keine Dankbarkeit. So gingen wir freundlich und in Überstimmung auseinander.
Sie schreiben, „es könnte sein, dass, was den Tod betrifft, alle Menschen im entscheidenden Punkt Laien sind.“ Es ist das unausweichlichste und alle Menschen verbindende Thema, und trotzdem kommen wir nicht mit dem Tod klar?
Franz Schuh: Die meisten können sich nicht vorstellen, dass sie einmal nicht mehr sein können, was verständlich ist. Durch unsere biologische Vitalität und den Lebenswillen wird der Gedanke an den Tod praktisch verunmöglicht - so tröstlich er für auch für den dekadenten Menschen werden kann. Es gibt Leute, die den Tod suchen, weil er manchen Menschen auch eine Erlösung verspricht. Ernst Bloch hat gesagt: Der Tod ist eine Erfahrung, die ich auch gerne machen möchte. Ich bin der Ansicht, dass der Tod nicht zum Leben gehört, sondern ein Grenzbegriff ist, weil das Leben eine Begrenzung erfährt. Der Tod gehört dem Tod.

Termine:

Eintritt:

25,- / 12,50 (Mitglieder) / 7,- (Studenten & Schüler) / 5,- (Restplätze für sozial Bedürftige)
 - Cafe Museum Passau

Line-Up:

Es liest Franz Schuh

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